Delphine beobachten in Schottland

Delphine in freier Wildbahn beobachten, das war schon lange ein Traum von uns. Möglichkeiten gibt es dazu in Schottland einige und nach kurzer Internetrecherche haben wir uns für eine Tour bei EcoVentures in Cromarty entschieden.

Das kleine Unternehmen ist spezialisiert auf Wildtierbeobachtungen im Moray Firth und wird von drei Damen unter der Leitung von Skipperin Sarah geführt.

EcoVentures Office

Die Buchung erfolgt telefonisch zwei Tage vor unserem Wunschtermin und wir bekommen eine voraussichtliche Startzeit für die Tour mitgeteilt. Wir werden auch gleich darauf hingewiesen, dass sich diese wetterbedingt noch ändern kann. Und so kommt es dann auch. Als wir bei EcoVentures ankommen, regnet es und ist ziemlich kühl. Im Büro, das nur ein paar Meter vom Hafen entfernt ist, erfahren wir dann, dass sich der Tourbeginn um mindestens zwei Stunden verzögert. Nicht schön, aber auch nicht ganz so schlimm. So haben wir genügend Zeit, das Dorf zu erkunden.

Cromarty ist ein über 700 Jahre alter, ganz wunderbarer kleiner Ort oben an der Nordspitze der „Black Isle“-Halbinsel und liegt nicht ganz 50 Kilometer nördlich von Inverness. Um die Wartezeit zu verkürzen, unternehmen wir einen Spaziergang durch den Ort. Und der lohnt sich wirklich, wenn man die Atmosphäre von kleinen Fischerdörfern mag. Kleine, niedrige Häuser, versteckte Gassen, winzige Läden… Zwischendurch wärmen wir uns in einer Mischung aus Buchhandlung, Andenkenladen und Café bei einer Tasse Tee auf.

Delphine, wir kommen

Und dann geht es wieder zurück ins Büro von EcoVentures. Ja, es klappt, wir können die Tour starten. Beziehungsweise eigentlich nicht wir sondern nur ich, da Gudi seit ein paar Tagen Probleme mit ihren Bandscheiben hat und uns die Fahrt mit dem Schlauchboot als etwas zu riskant erscheint. Schließlich habe ich auf den Videos im Internet gesehen, dass diese bei Wellengang ganz schön holprig werden kann.

Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung im Shop werden wir in die Trockenanzüge und Schwimmwesten gesteckt. Das ist gar nicht so unangenehm, denn es ist immer noch ziemlich kühl draußen und dazu regnet es immer wieder zwischendurch. Ich bin froh, dass meine Kamera spritzwassergeschützt ist und vertraue darauf, dass ihr auch ein gelegentlicher Schwall Meerwasser nichts anhaben wird. Dafür ernte ich ein paar skeptische Blicke von den anderen Passagieren, die ihre Kameras mit den teuren Riesenobjektiven in wasserdichten Packsäcken verstauen.

 

Das 9,5 Meter lange „Schlauchboot“, das wir dann besteigen, bietet Platz für 12 Passagiere und die Motorisierung mit zwei Mal 150 PS verspricht ordentlichen Fahrspaß. Wir tuckern langsam aus dem Hafen und dann gibt Sarah nach kurzer Vorwarnung richtig Gas. Der Bug des Bootes hebt sich und wir zischen richtig ab. Gischt und Regen in den Gesichtern der Passagiere und breite Grinser bis über beide Ohren. So macht das Spaß.

Wir fahren erst ein Stück in den Cromarty Firth hinein, um zu sehen, ob sich die Delphine heute dort aufhalten. In diesem Meeresarm wurden Anlagen zur Konstruktion und Wartung von Ölbohrplattformen errichtet, die wir in nächster Nähe passieren und die von unserem kleinen Schlauchboot aus riesig aussehen.

 

Auch einige verfallene Verteidigungsanlagen aus den beiden Weltkriegen sind an der Küste zu erkennen. Schließlich befand sich in Invergorden, im Norden des Firth, bis 1956 ein militärisch bedeutender Hafen. Die Befestigungen sehen heute ziemlich baufällig aus und wurden inzwischen von unzähligen Meeresvögeln erobert. Vögel sind ja gut und schön, aber wir sind für die Delphine da. Und von denen ist keiner in Sicht.

Erste Delphinsichtung

Dann geht es hinaus in Richtung offenes Meer auf den Moray Firth, die größte Bucht Großbritanniens. Das Wetter bessert sich immer mehr und der Regen hört endlich ganz auf.

Mit gezückten Kameras lassen wir die Blicke über die glitzernden Wellen schweifen, um endlich einen Blick auf die intelligenten Meeressäuger zu erhaschen. Und dann kommt der erlösende Ruf von Sarah: „Dolphins!“. Noch in ziemlicher Entfernung sehen wir ein paar silbrig glänzende Rücken aus dem Wasser schnellen. Die Fotoapparate hören sich schon fast nach Maschinengewehrfeuer an.

Langsam nähern wir uns der Gruppe Delphine. Immer wieder schnellt eines der schönen Tiere mit elegantem Sprung aus dem Wasser. Genau so habe ich mir das vorgestellt. Schließlich lassen wir uns nur treiben und einige der Tiere nähern sich sogar bis auf wenige Meter dem Boot. Fantastisch!

 

Während wir so auf den sanften Wellen schaukeln und uns nicht satt sehen können, versorgt uns die Skipperin mit Getränken und kleinen Snacks. Schließlich haben die Delphine scheinbar genug von uns und tauchen ab. Auch wir machen uns wieder auf den Rückweg zum Hafen. Im Büro angekommen schälen wir uns wieder aus den Anzügen und hätten natürlich Gelegenheit, uns im Shop noch mit zahlreichen Delphinsouvenirs einzudecken. Mir sind allerdings die selbstgeschossenen Fotos Andenken genug und so verzichten wir darauf.

Gudi, die die Wartezeit genutzt hat, um mit dem Auto ein wenig die Küste zu erkunden, erkennt schon an meinem Gesichtsausdruck, dass die gut zwei Stunden dauernde Delphintour ein voller Erfolg war. Im Nachhinein betrachtet wäre die Teilnahme für sie trotz Kreuzproblemen wohl auch machbar gewesen. Aber wir werden die Tour bestimmt bei Gelegenheit wiederholen.

Tipp: Auch im Sommer ist es auf dem Wasser oft ganz schön kühl und nach zwei Stunden können durch die Feuchtigkeit die Finger ganz schön klamm werden. Von SealSkinz gibt es z. B. wasserdichte Handschuhe in allen möglichen Varianten (bei amazon erhältlich).

Unser Fazit

  • Eine Delphinbeobachtungstour ist ein fantastisches Erlebnis für Jung und Alt. Ab 5 Jahren dürfen Kinder mitfahren.
  • Für Menschen mit körperlicher Behinderung können unter Umständen besondere Arrangements getroffen werden, damit auch sie teilnehmen können. Dazu einfach anfragen.
  • Die Vorabbuchung per Telefon ist unbedingt empfehlenswert. Preise und Kontaktinfos findet ihr auf www.ecoventures.co.uk.
  • Warme Kleidung, gute Schuhe (ev. wasserdicht, Gore-Tex…), Mütze, Handschuhe und Sonnenbrille sind sehr zu empfehlen.

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